Underground Remains 2017

Underground Remains V / 10.06.2017, Göttingen, MUSA

An einem sonnigen Samstag lud Moshroom Events und Music Parasites auf dem Gelände der Musa zum fünften Mal zum Underground Remains in Göttingen ein. Dieses Jubiläum wurde von einem hochkarätigen Line Up zelebriert. Aber fangen wir von vorne an.

In guter, alter PartySan-Tradition gab eine Grindcore Kapelle den Startschuss zum Jubiläum. Jehacktet aus Berlin gab ein grunzendes Stelldichein und bespaßte zur Mittagsstunde die ersten Gäste des UROA. In gewohnter Grindcore Manier ließen sie kein Stein auf dem anderen und polterten ordentlich los. Ein Auftakt nach Maß!

Nach dieser Schelle wurde es melodischer. Revolt aus Wolfsburg spielten und demonstrierten, wie moderner Thrash Metal klingen muss. Gut eingespielt zimmerten die Männer aus Niedersachsen ihr Set durch und gingen bei strahlendem Sonnenschein richtig ab. Die vier Männer zeigten eindrucksvoll, wie traditionelle Elemente des Thrash Metal mit melodischen Death Metal Parts harmonieren können. Sehr eindrucksvoll das Ganze!

Mit Evoked kam ein richtiges Abrisskommando auf die Bühne. Besonders Fans von Asphyx, Bolt Thower oder Hail Of Bullets kam jetzt voll und ganz auf ihre Kosten. Brutale Langsamkeit in Kombination mit extrem stampfenden Parts prügelte einem wirklich alles aus dem Gesicht. Das Trio aus Detmold ließ sich durch nichts aus der Ruhe bringen und überzeugte auf ganzer Linie. Frontmann Simon „Bonesaw“ war ein einziges Bollwerk aus Wut und Zerstörung – die Jungs wissen auf alle Fälle was es heißt authentisch zu arbeiten.

Man blieb im Death Metal, wurde nur wesentlich brutaler, schneller und ekstatischer. Das Schlachtschiff Devastator aus Hamburg lief in Göttingen ein und tat das, wozu es erschaffen wurde: Alles zerstören und restlos auslöschen! Besonders ihr kürzlich veröffentlichtes Werk „The Throne Belongs To Us“ stand im Mittelpunkt des Sets und die Songs kamen mehr als nur gut an – sie wurden abgefeiert, als gäb es kein Morgen. Besonders der äußerst agile und motivierte Sänger „Lenny“ lieferte eine Performance ab, die seines Gleichen sucht. Seine stets witzigen Ansagen kamen super an und seine freigesetzte Energie ging eins zu eins auf das Publikum über. Was ein Abriss!

Als Atomwinter auf die Bühne kamen, war es zu ersten Mal wirklich so richtig voll vor der Stage. Kein Wunder, denn die Band ist nur nicht in der Studentenstadt heimisch, das Old School Death Metal Kommando ist im Untergrund ein richtig heißes Eisen. Mit stampfenden Riffs und eingängigen Parts war es musikalisch für alle Anhänger der alten Schule ein richtiger Leckerbissen. Besonders das Ein-Mann-Abriss-Kommando „Olle“ spie Gift und Galle ins Mikro. Jeder einzelne Song der 4 Musiker wurde regelrecht zelebriert. Die Mannen aus dem Süden Niedersachsens demonstrierten eindrucksvoll, wer der Chef auf der Bühne ist. Sehr imponierend!

Fäulnis, die zweite Band am Abend aus Hamburg, musste ordentlich auffahren, um die Messlatte der vorher gegangenen Band zu knacken. Aber jeder, der die Schwarzmetall Kapelle schon mal live gesehen hat weiß, dass sie dazu mehr als nur in der Lage sind. Und genau das taten sie auch! Die Hamburger demonstrierten ihr ganzes Können und ihre Authentizität war der absolute Wahnsinn. Songs wie „Distanzmensch. Verdammter“ wurden sogar textsicher von der Masse mit gesungen. Hass, Verachtung und Verzweiflung wurde gut 50 Minuten frenetisch vom Publikum und den Musikern zelebriert. Das war mehr als nur eindrucksvoll – das war einzigartig!

Nun folgte der Co-Headliner des fünften Underground Remains. Cytotoxin aus Chemnitz betraten die Bühne. Mit Gasmasken und atomaren Fässern als Accessoire schalteten die Ost-Deutschen was Tempo und Brutalität anging gleich mehrere Gänge höher. Brutal Technical Death Metal wie er im Buche steht wurde dem Publikum präsentiert und die nahmen das mehr als nur gut auf. Ein Circel Pit jagte den nächsten und die Haare flogen in alle Richtungen. Obwohl die apokalyptische Aufmachung eher weniger „spaßig“ war, wurden die Männer richtig abgefeiert. Die verstreuten Slam Death Metal Parts machten das ganze nochmal interessanter. Ein mehr als nur würdiger Co-Headliner für das Jubiläum des URO!

Der Headliner des Abends war keine geringe Band, als das Schwarzmetall Kommando Imperium Dekadenz aus dem wunderschönen Schwarzwald. Seit mehreren Jahren ist die Formation aus dem Süden der Republik das Aushängeschild bezüglich des Deutschen Black Metals. Nicht ohne Grund spielen die Musiker auch auf den großen Bühnen der Festivals und haben eine nicht zu verachtende Anzahl an treuen und loyalen Fans. Zeitgleich merkte man aber während des Gigs deutlich, dass sie sich das alle schwer erarbeitet haben. Die bestehende Formation agierte als Einheit und so wirkte nicht nur das Bühnenbild stimmig, auch die Art und Weise wie die Musiker ihre Kunst präsentierten war beispielhaft dafür, wie man es machen muss! 60 Minuten Black Metal der Spitzenklasse, Made in Germany. Was ein gelungener Abschluss für das fünfte Underground Remains!

Notiz am Rande:

Im Vergleich zum Vorjahr war es wesentlich besser besucht. Ansonsten kann man nur sagen, dass es wohl einer der angenehmsten Openair Veranstaltung der Szene ist. Hier stimmt einfach alles. Die Preise, die Musik, das Drumherum – einfach nur großartig! Man darf sich jetzt schon auf 2018 freuen!

Fotografie: Johanna Edler

Text: Jan

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