Underground Remains 2016

Underground Remains 2016 // Göttingen // 04.06.2016 // MuSa

Das Underground Remains lud am Samstag dem 4.6. zum vierten Mal nach Göttingen ein. Acht Bands präsentierten die Veranstalter die allesamt aus unterschiedlichen Sparten des Metals stammten. Für den Schwarzmetall Anhänger wurde beispielsweise Humanitas Error Est (z. dt. Die Menschheit ist ein Fehler) aufgeboten, Stoner Freunde kamen mit Path Of Samsara voll und ganz auf ihre Kosten. Aber fangen wir von vorne an. Bei schwülwarmen Spätfrühlingswetter pilgerten aus vielen Teilen der Republik Fans, treue Anhänger oder auch Neulinge zum etwas abseits gelegenen Eventgelände. In der MuSa – schön in einer alten Industrieanlage etabliert – kam auch das entsprechende Feeling für ein Fest der Subkultur auf. Bereits zur frühen Mittagszeit öffnete das URO (Underground Remains Open Air) die Tore für die ersten Gäste die zum Großteil direkt zum Bier Pils pilgerten, um etwas gegen die schwüle Hitze zu unternehmen.

Das Open Air wurde von der lokalen Göttinger Band Farson eröffnet. Eine eiskalte Mischung aus aggressiven Black Metal und melancholischen Elementen wurde den Besuchern buchstäblich um die Ohren geschossen. Obwohl die Band unter der schwülen Mittagshitze aufspielte, fanden nicht wenige Begeisterte den Weg vor die Bühne. 40 Minuten abwechslungsreicher Black Metal wurde nach dem letzten Song mit gebührenden Beifall verabschiedet – der Auftakt war gelungen.

Auch der zweite Act ist in der lokalen Göttinger Szene keine Unbekannte Band. Soulbleed baten die Gäste zum Moshpit und die Aufforderung wurde mehr als nur ausreichend nachgegangen. Eine regelrechte Zerstörungsorgie wurde zelebriert und das nicht zu knapp. Obwohl es am frühen Nachmittag immer noch unfassbar heiß war flogen die Mähnen der Metalheads durch die Gegend – was ein Abriss. Death Thrash Metal nach Maß, wütende Riffs und eine tödliche Stimme. Die Mischung macht es halt aus und Soulbleed demonstrierten, wie man es richtig macht.

Humanitas Error Est spielten als dritte Band des Tages auf und tendierten wieder hin zum Black Metal weg vom vorgegangenen Death Thrash Metal. Mit Sänger und Sängerin demonstrierten die Musiker, die aus einigen Ländern Europas stammen, wie man Schwarzmetall der norwegischen Schule zu präsentieren hat. Eine wahre schwarze Messe wurde nach allen Künsten zelebriert und viele Anhänger feierten die Band und das völlig zurecht. Kompromisslosigkeit scheint ein hohes Gut bei den Musikern zu sein, denn ihre Geradlinigkeit und ihre Authentizität erinnerte stark an Legenden wie Gorgoroth oder Marduk.

Nach der Black Metal Walze gaben sich die Berliner von Morbid Panzer die Ehre. Oldschool war angesagt. Black/Death/Thrash Metal, der irgendwie an eine Mischung aus den ersten Sodom Platten erinnert, gepaart mit einer guten Prise Deströyer 666 und dem guten alten Hass. Obwohl die Band mit ihrer Demo im Winter 2015 ihr Debüt gab, fanden sich durchaus viele Interessierte vor der Bühne und spätestens nach den ersten Liedern war das Aggressionslevel wieder jenseits von Gut und Böse (natürlich nur im übertragenden Sinn gemeint – das URO lief komplett sauber von der Bühne). Die Hauptstädter hinterließen einen bleibenden Eindruck und können sich sicher sein, dass sie einige neue Fans gewonnen haben.

Die letzte Hälfte des Line-Up wurde von dem Trio von Path Of Samsara eingeläutet. Ihr selbst betitelter „Black Magic Rock´n´Roll“ fiel zwar vom Genre her aus dem bestehenden Angebot mehr als nur heraus, aber das ist nur eine kleine Anmerkung. Das Trio wurde von Anfang bis Ende absolut abgefeiert. Es schien so, dass gerade der „Exot“ eine absolut willkommene Abwechslung war. Gleich beim ersten Ton hatten die Musiker das Publikum in ihrem Bann. Diese gefesselte Atmosphäre sollte auch bis zum Schluss anhalten. Mit Stoner Parts ganz im Sinne von Acid Witch, treibenden Parts alá Led Zeppelin und psychodelischen Elementen demonstrierten die Musiker ihr Können. Perfektion ist nur ein Wort, um dieses Konzert auch nur annährend zu beschreiben.

Nach der musikalischen Exkursion in die 70er/80er Jahre wurde die Brutalität erst einmal um mehrere Stufen mehr als nur erhöht. Putrid Offal betraten die Bühne des Geschehens und was soll man sagen. Wenn ein viertel Jahrhundert geballte Grindcore und Brutal Death Metal Erfahrung aufspielt, dann kann sich schon denken was passiert. Richtig! Brutalität, Gedärme, Zerstörungswut. Die Franzosen zeigten ihr ganzes Können und die Besucher feierten dieses Brett an Extrem Metal. Das erklärte auch die zahlreichen Cannibal Corpse und Napalm Death Fans. Das Set der Franzosen wurde von ihren Fans total gefeiert und man merkte sehr deutlich, dass die Band nicht ohne Grund so lange existiert. Eine wahre Underground Legende eben.

Co-Headliner des diesjährigen URO sind die Männer rund um die Band Obscure Infinity. Und das Ganze auch zu recht! Mit ihrer Mischung aus oldschool Death Metal und einigen melodischen Elementen kamen sie fantastisch beim Publikum an. 60 Minuten Vollgas präsentierte die Band und jede einzelne Sekunde wurde regelrecht vom Publikum verschlungen. Obscure Infinity mögen zwar nicht an den (nahezu) legendären Status der vorherigen Band ran kommen, dennoch sind sie in der hiesigen Death Szene mit einer der Bands der Stunde. Auch die zahlreichen Fans und Besucher vor der Bühne machten deutlich, dass Obscure Infinity nicht umsonst den Slot des Co-Headliners bekommen hatte.

Diesjähriger Headliner war keine geringere Band als Necronomicon! Ja, ihr lest ganz richtig. Einer DER Thrash Metal Legenden aus Deutschland. Bereits seit 1984 existiert die Truppe und nach einigen Änderungen im Line Up der Band präsentierten sich die Männer in neuer Stärke und trumpfen mächtig auf. Obwohl (auch) das Alter im Publikum eher erhöht wurde, gesellten sich auch jüngere Anhänger der Thrash Metal Szene in die vordersten Reihen. Schon bald war der ganze Platz vor der Bühne voll mit Kuttenträgern und ein Pit jagte den nächsten. Man sah besonders Volker „Freddy“ Fredrich die pure Begeisterung im Gesicht an. Wie ein „junger Hüpfer“ peitschte er bei jedem Song das Publikum an, feiert enthusiastisch mit den Fans und mit seinen neuen Mitstreitern. Nach einer Stunde geballten Thrash Power ging auch das vierte Underground Remains zu ende. Ein wirklich gelungener Abschluss.

Notiz am Rande:

Obwohl die Anreise (mit dem Zug sei hier angemerkt) eher einer mittleren Wanderung glich, war die Location absolut einfach zu finden.

An und für sich ist diese quasi wie gemacht für Shows von Subkulturen – einfach authentisch, wie es sein muss.

Das gesamte Event blieb friedlich und bis auf die üblichen Bierleichen.

Das URO ist für alle Metaller in und um Göttingen eine absolute Empfehlung, wenn nicht sogar ein Muss!

       Veranstalter: www.undergroundremains.de

Foto´s: Johanna Edler

Text: Jan Furious Anger

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