Timor Et Tremor Review zu „For Cold Shades”

TPM/Jan: Moin Hendrik. Vorweg: Eure Schiebe hat mir sehr imponiert. Man merkt deutlich, dass ihr euch in nahezu allen Punkten musikalisch weiterentwickelt habt. 4 Jahre warten hat sich also wirklich gelohnt. Meine erste Frage bezieht sich auf eure Schaffensphase zu eurer aktuellen Scheibe. Man merkt, dass besonders die gesanglichen Elemente einen enormen Schritt gemacht haben, aber auch die generelle Harmonie der Songs ist der Wahnsinn! Könnt ihr sagen oder du, dass es nötig war die Zeit voll in Anspruch zu nehmen, um eure individuelle Entwicklung für das Album abzuschließen und um so einen vollendeten Sound zu erarbeiten?

Hendrik: Ja und nein. Die Songs sind über die Spanne von 4 Jahren entstanden, die uns als Personen und Musiker natürlich auch verändert haben. Das spiegelt sich natürlich auch in den Songs wieder. Generell würde ich sagen, dass wir etwas mehr mit neuen Elementen experimentiert haben.

TPM/Jan: Einer der wichtigsten Fragen überhaupt. WIE zufrieden seid ihr mit eurem Werk und wie steht ihr zu eurem ersten Musik Video zu dem Song „Pale Faces“? Ich als Hörer bin bis auf minimalitische Punkte absolut begeistert von eurem Werk.

Hendrik: Wir sind voll und ganz zufrieden. Sicher findet man immer Ecken und Kanten, bei denen man im Nachhinein vielleicht etwas anders gemacht hätte, aber diese Ecken und Kanten haben natürlich auch ihren ganz eigenen Charme. Was das Video angeht, verhält es sich ähnlich. Wir sind sehr froh, dass das alles so gut geklappt hat und wir überhaupt die Möglichkeit dazu hatten. Mit Jonathan Weber hatten wir dann auch noch das Glück, einen sehr professionellen Produzenten zu finden, der einen hervorragenden Job gemacht hat die Ideen, die wir für das Video hatten, umzusetzen.

TPM/Jan: Der Sound eurer Scheibe hat einen guten Schritt nach vorne gemacht, wenn man ihn mit eurer 2012er Scheibe vergleicht. Euer Produzent war kein geringer als Markus Stock, seines Zeichen Gitarrist von „The Vision Bleak“ und „Empyrium“. Eigentlich stelle ich gleich zwei Fragen – Asche auf mein Haupt. In wie weit hat Herr Stock euch direkt beim Schaffen im Studio beeinflusst und zieht ihr es in Erwägung eine längerfristige Kooperation in Betracht zu ziehen?

Hendrik: Beeinflusst hat er uns eigentlich nie direkt. Markus ist für unsere Arbeitsweise quasi der perfekte Partner gewesen. Er hat auf Grund seiner immensen Erfahrung verstanden, wohin wir wollen und einen runden Sound geschaffen, der sehr gut zu den Songs passt. Markus ist eher der Typ der einen antreibt sein bestes zu geben, ohne den Prozess zu stören. Alles in allem waren wir sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit. Was die Zukunft angeht, ist es schwer zu sagen, ob eine längerfristige Sache daraus wird. In der Regel entscheiden wir das, wenn das Songmaterial für das nächste Album fertig ist. Dass die Klangschmiede in der Liste der möglichen Studios für die nächste Produktion weit oben steht, kann ich aber wohl so sagen.

TPM/Jan: Eure Konzerte sind ja generell von einer gewissen Exklusivität, da ihr ja relativ selten auftritt. Wie viele Bands in eurer Position stehen natürlich Dinge wie Familie, Job und Anderes natürlich weit oben auf dem Plan. Wird sich das im Zuge der neuen Platte und dem Release ändern?

Hendrik: Nein, ich denke nicht. Timor et Tremor wird live wohl immer eine relativ exklusive Sache bleiben. Dafür gibt es viele Gründe. Zum Teil natürlich private Dinge wie Familie und Arbeit, aber auch Veranstalter und den Zustand der Szene. Wir haben für uns entscheiden, dass Dinge wie Battles und Pay-To-Play Gigs nicht in Frage kommen, was die Auswahl schon deutlich einschränkt.

TPM/Jan: Du sprichst den Zustand der Szene in Deutschland an. Ich beziehe das jetzt mal ganz pauschal auf die BM-Szene in Deutschland. Auf der anderen Seite sprichst du Themen, wie Pay-To-Play, an. Auch die Fragen bezüglich deiner Antwort sind etwas umfangreicher. Was genau stört dich an der Konzertlandschaft in Deutschland? Viele europäische Bands sehen es als hohes Ziel, um hier zu spielen – unabhängig von der Gattung der Musik. Pay-To- Play scheint ja mittlerweile, egal ob Festival oder Tour, ein akzeptiertes Mittel zu sein, um sich als Band zu promoten. Was genau hältst du für falsch und verwerflich an der gesamten Thematik?

Hendrik: Generell halte ich Pay-To-Play für falsch. Schlussendlich bedeutet es nichts anderes, als das auf kurz oder lang, nur die Bands zu sehen sind, die es sich leisten können oder wollen. Es gibt sicher viele Bands mit knappem Budget, die aber keine Gelegenheit für Gigs finden, da sie es sich schlicht nicht leisten können. Hinzu kommt, dass viele Veranstaltungen heute unter mangelnden Besucherzahlen leiden. Pay-To-Play wälzt somit also nur das Risiko des Veranstalters auf die Bands ab. Als Künstler erbringt man eine Leistung. Es entstehen Kosten von Albumproduktion bis hin zu Reisekosten, die man als Band eben tragen muss. Wenn ich zusätzlich auch noch für die Gelegenheit zahlen muss, auf die Bühne zu kommen und nachher wegen mangelnder Werbung keine Gäste kommen, ist es eine Frage der Zeit, bis ich als Band aufgebe, weil die Leidenschaft schlicht nicht zu finanzieren ist. Der Trend zu großen Festivals und das Verschwinden von kleinen Club Gigs, auf Grund von Besuchermangel ist etwas, das noch oben drauf kommt.

TPM/Jan: Noch bis vor kurzem wart ihr auf der Trollzorn Seite auf deren Sub-Label „Black Skull Records“ zu finden. Quasi von jetzt auf eben seid ihr wieder direkt beim Main-Label. Es folgen gleich zwei Fragen zu der Thematik. Erst mal: Wie kam es denn dazu? Die zweite bezieht auf die Label Arbeit. Kann man denn nun auch mit neuen Merch rechnen?

Hendrik: Die erste Frage kann ich gar nicht so genau beantworten. Black Skull ist ja quasi das Sub Label von Trollzorn. Wir arbeiten also nach wie vor mit Kai und Stefan von Trollzorn, die einen super Job machen mit ihrem Label und uns als Künstler wirklich ernst nehmen und mit Herzblut dabei sind. Was Merch angeht, gibt’s bald was Neues. Aktuell arbeiten wir am neuen Design für Shirts etc. Wir wollen alles selbst machen, um für Qualität zu sorgen, was natürlich etwas Zeit in Anspruch nimmt.

TPM/Jan: Kommen wir mal auf das äußere der CD zu sprechen. Die gesamte Aufmachung wirkt sehr ästhetisch und spiegelt, zumindest für mich, eure Scheibe einfach nur super wieder. Man merkt alleine beim Betrachten, dass ihr viele Elemente der atmosphärischen Schwarzmetallschule aufgenommen habt. War das Absicht oder hat es sich „so ergeben“?

Hendrik: Im Grunde hat es sich so ergeben. Das Design ist bei uns auch immer Teil des Albums und entsteht nachdem alle Songs fertig sind. Unser Gitarrist Martin, der sich bei uns hauptsächlich mit den Artworks befasst, hat sich diesmal selbst übertroffen. Die Songs waren dabei sozusagen Inspiration.

TPM/Jan: Kommen wir zum Abschluss des Interviews – schon mal danke für deine Zeit! Wie sehen eure Pläne für das kommende Jahr aus? Kann man denn mit weiteren musikalischen Veröffentlichungen in nächster Zeit rechnen?
Hendrik: Vielen Dank für die Gelegenheit! Aktuell bereiten wir uns auf Konzerte am Ende des Jahres vor und stecken schon wieder knietief im Songwriting. Wann es aber soweit ist, dass es wieder ins Studio geht, lässt sich noch nicht sagen. Wir werden uns auf jeden Fall Zeit lassen um selbst mit allem zufrieden zu sein.

Interview  Jan Furious Anger // Hendrik Müller, Sänger von Timor Et Tremor // Review zu „For Cold Shades”

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