Ragnarök Festival 2016 – Tag 2

Stadthalle Lichtenfels. Der Zweite Tag begann genauso, wie schon der Freitag – Sonne satt. Bei frühlingshaften Temperaturen trockneten auch nach und nach die seeartigen Pfützen auf dem Campingplatz und auch die Lederjacken wurden im Auto und im Camp gelassen. Um 12.oo Uhr war es dann aber auch mit der Ruhe vorbei, denn Rabenwolf eröffnete den letzten Festivaltag. Mit einer Mischung aus traditionellen Instrumenten und Melodien, kombiniert mit treibenden Pagan-Rhythmen, prügelten die sieben Musiker den restlichen Alkohol aus den Köpfen der Festivalbesucher und machte Platz für neues Bier – spätestens nach dem Konzert waren wieder alle wach.

Wind Rose aus Italien stimmte einen anderen Ton an. Power Metal mit Bums, der für einige Besucher dann doch etwas zu speziell war, wurde präsentiert. Trotz des etwas speziellen Genere wurde ihr Set von den Power Metal Fans zünftig gefeiert und auch ihre neuen Songs wie „The Wolves Call“ und „Fallen Timbers“ wurden von ihren Fans begeistert gefeiert.

Mit der dritten Band des Tages wurde es dann erneut pechschwarz. Aeba aus Schleswig Holstein gaben sich die Ehre. Die Show war soweit interessant, da sich die Band 2013 zunächst aufgelöst hatte und nun 2016 sich wieder vereinigte. Nun spielten die Kieler also zum zweiten Mal nach ihrer Reunion live und zu diesem Anlass fanden sich nicht wenige Anhänger des Black Metal vor der Bühne ein, um diese Besonderheit zu feiern. 40 Minuten dauerte das Inferno aus Hass und Finsternis und mit viel Applaus verließen die Nord-Deutschen die Bühne.

Nach der Phase der Dunkelheit wurde es nun wieder heiter und nordischer. Mit den Schweden Grimner erklangen Flötenmelodien, gepaart mit knackigen Viking Metal Gitarren. Eine Mischung aus Týr, Fintroll und Korpiklaani war nun zu hören und die Halle erklang wieder unter den lauten Rufen der Pagan Anhänger. Eine halbe Stunde lang verwöhnten die Schweden ihre Anhänger mit Viking Metal.

Am Nachmittag betrat mit Ereb Altor die erste bekanntere Band die Bühne. Die vier Schweden präsentierten mit ihrer Mischung aus Doom, Viking und Black Metal eine Kreation, die stark an Bathory und Falkenbach erinnerte. Besonders Bathory ist hier zu betonen, da sie ihnen zu ehren den Song „Twilight oft the gods“ coverten. Mit Begeisterung wurde diese Hommage an die legendäre schwedische Band gefeiert, aber auch ihre eignen Songs wie beispielsweise „Niefelheim“ kamen bei ihren Fans und den übrigen Besuchern gut an.

Nun kam eine echte Größe des deutschen Black/Pagan Metal auf die Bühne. Die Todesdivision Minas Morgul war an der Reihe. Seit fast zwanzig Jahren existiert nun die Band und dass sie sich einen Namen gemacht haben, zeigte sich (auch) eindrucksvoll an den zahlreichen „Division 1313“ Backpatches im Publikum. Routiniert wurden Songs wie „Minas Morgul“ oder „Todesschwadron Ost“ vom Publikum mit gesungen. Obwohl Minas Morgul auch nicht zum ersten Mal auf dem Ragnarök auftrat, sind sie immer noch ein gern gesehener Gast.

Saille (dt. Weide) aus Belgien zündeten ebenfalls eine Black Metal Bombe. Mit ihren kombinierten Opener „Emerald“ und „Walpurgis“ ließen die Belgier nichts anbrennen und gaben mit dem ersten Ton sofort Vollgas. Mit eingespielter Einfachheit zockten die sechs Männer ihren tempogeladenen symphonischen Schwarzmetall durch. Fans von den frühen Dimmu Borgir Platten kamen voll und ganz auf ihre Kosten. Dem Abschluss des Sets machte ihre Hymne „Eater of Worlds“ der noch einmal zünftig vom Publikum gefiert wurde.

SAILLE

Nach der geladenen Black Metal Walze war es nun wieder Zeit für die Methorntrinker. Wolfchant bauten sich auf. Auch diese Band spielte nicht zum ersten Mal auf den Ragnarök. Die sieben Musiker aus dem tiefsten Süd-Ost-Bayern präsentierten ein Set vollgepackt mit Klassikern und luden regelrecht zum mit grölen und trinken ein. Von „Eremit“ bis „Pagan Storm“ und „Never Too Drunk“ war alle dabei, was da Paganherz begehrte. Und mit ihrem Gig zeigten die Bayern, wie man das Publikum zum Mitmachen animiert. Eine durchweg gelungene Show.

WOLFCHANT

Nach der geballten Ladung an Pagan Metal wurde en nun „speziell“, aber nicht im negativen Sinne. The Vision Bleak brachten einen düsteren Gothic Metal zu Tage, der wirklich aus dem bestehenden Spektrum des Line Up‘s heraus fiel. Aber wie schon gesagt: Diese „kulturelle Exkursion“ war alles andere als negativ. Das bayrische Duett wusste zu gefallen und es fanden sich auch zahlreiche Besucher vor der Bühne ein, als sie mit dem Intro „Spirits Of The Dead“ anfingen. Ihr durchaus durchdachtes Set hob sich ihre beiden absoluten Hymnen (natürlich) bis zum Schluss auf. „Kutulu!“ und „By Our Brotherhood With Seth“ kamen ganz zum Schluss dran und wurden von den zahlreichen Begeisterten textsicher mitgesungen. Hut ab vor den diesjährigen Exoten des Ragnaröks.

THE VISON BLAEK

Es war jetzt aber wieder Zeit für ein gewohntes Genre. Skyforger aus Lettland waren an der Reihe. Auch die Letten sind keine Unbekannten auf dem Ragnarök, allerdings sind auch diese Männer sehr gern gesehene Gäste. Ihr Set – dieses Mal komplett aus Liedern in ihrer Muttersprache bestehend – hatte mächtig Feuer und schon mit dem ersten Song „Melnās Buras“ von ihrer aktuellen Scheibe „Senprūsija“ wurde ein temporeiches Feuerwerk abgebrannt. Einen echten Klassiker präsentierten die Letten mit dem Titelsong ihres gleichnamigen Albums aus dem Jahr 1998 „Kauja pie Saules“. Kurz: Das Set war gespickt mit neuen und alten Material und kam absolut fantastisch beim Publikum an.

SKYFORGER

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Nach der lettischen Lehrstunde präsentierten sich Nocte Obducta. Seit nun mehr 21 Jahren existiert die Kapelle aus dem Rheinland und warum sie sich über die Jahre halten konnten zeigte die gut gefüllte Halle. Der Rückhalt aus dem Publikum war da und eine nicht gerade kleine Anzahl an treuen Fans drängte sich in den ersten Reihen. Ein Ausflug in die Vergangenheit erlebten die Besucher des Konzertes mit Liedern wie „Der Durst In Meinen Augen“ oder „Prinzessin Der Nachtschatten“, aber auch neues Material wie „Waldrand“ wurde präsentiert, der von ihrem neusten Werk „Mogontiacum – Nachdem die Nacht herabgesunken“ stammt.

NOCTE OBDUCTA

Månegarm. Eine Band, die wirklich zu den großen der etablierten Metalszene Europas zählt, gab sich nun die Ehre. Ganz im Zeichen des aktuellen Albums, welches auch den Bandnamen trägt, war das Set der Schweden aufgebaut. Anhand der vergangenen Alben der Schweden lässt sich eine gewisse Entwicklung hin zum melodischen Viking Metal, weg vom rauen schwarzmetallastigen Metal, nicht abstreiten. Es wäre allerdings alles andere als gerechtfertigt den Männern aus Nord-Europa zu unterstellen, sie würden „Pop Metal machen“, da sie ihrer Linie dennoch treu bleiben. Auch wenn man vergebens auf „Sons Of War“ wartete, kamen genug gleichwertige Songs wie „Oden owns ye all“ zum Einsatz. Wie immer ein episches Konzert!

MANEGARM

Headliner des letzten Tages war keine geringe Band als Eluveitie. Die Eidgenossen – eine der erprobtesten Tourbands unserer Zeit – sind eine Band von Welt und sie spielten auch schon vor mehreren tausend Fans, beispielsweise auf dem Wacken Openair oder auf dem Rockharz. Umso so schöner ist es, dass auch Bands dieser Größe auf vergleichsweise kleineren Festivals spielen. Mit einem Set der Kategorie „Full Metal“ zeigten die Schweizer, dass traditionelle Instrumente durchaus mit harten Metalgitarren harmonieren können. Exemplarisch dafür war die Metal Version von „Omnos“. Honoriert wurden die Schweizer mit einer bis zum Anschlag gefüllten Konzerthalle. Selbst die Tribüne war bis auf den letzten Platz gefüllt. Beendet wurde ihr Konzert (natürlich) mit ihrem Ever-Green „Inis Mona“. Ein würdiger Headliner für den letzten Festivaltag – ohne Frage.

ELUVEITIE

Nach der Folk Metal Show wurde es wieder brutaler. Thyrfing zückten das Blutschwert. Ein (fast)komplett schwedisches Set wurde von den Männern aus Nord-Europa durchgezogen. Allerdings merkte man, dass einige Besucher bereits ihr meistes Pulver verschossen hatten. Dennoch waren immer noch nicht wenige Zuschauer vor der Bühne und gaben ihr Bestes. Thyrfing brachten in ihrer jahrelangen Banderfahrung sehr gekonnt ihre Show über die Bühne. Ein besonderes Erwachen gab es im Publikum, als die Schweden „Storms of Asgaard“ zum Besten gaben. Eine wirklich imponierende Show, auch wenn der Slot vielleicht etwas ungünstig gewählt war.

THYRFING

Den aller letzten Slot für das Ragnarök bekamen die Männer Rund um die Band Eis. Der Name war Programm – es wurde menschenfeindlich kalt. Gleich zu Beginn präsentierten die Männer aus dem Nord-Westen der Republik den Opener ihres aktuellen Albums „Ein letztes Menetekel“, obwohl einige Fans das ein oder andere Gesicht vermissten. Sowohl Schlagzeuger, als auch der zweite Gitarrist wurden jeweils von Gernotshagen gestellt (weitere Infos findet ihr auf der Hompage der Band). Eine gewaltige Atmosphäre baute sich sofort auf, die bis zum Schluss anhalten sollte. Seit 11 Jahren existiert die Schwarzmetall Truppe und kann bereits auf 5 Alben zurückblicken, die allesamt von der Qualität als sehr gut bezeichnet werden können und sie steigt von Album zu Album. Und so war der Folge Song „Erben aller Einsamkeit“ der Opener ihres ersten Werkes „Kainsmal“. Live war da kein Unterschied aus zu machen – einfach nur gewaltig. Den Abschluss des Sets und somit auch den Abschluss des Ragnarök Openairs 2016 machte der Song „Mann aus Stein“ einer der bekanntesten Songs der NRWler.

EIS

Und so endete ein durchaus gut gelungenes Festival und nicht wenige läuteten damit ihre persönliche Festivalsaison ein. Alles in allem ein Auftakt nach Maß und man sieht sich garantiert nächstes Jahr wieder wenn es in Lichtenfels wieder Zeit für die Götterdämmerung ist.

Notiz am Rande:
Was absolut positiv auffiel war die enorme Aufwertung des Sounds am Freitag. Die Jahre zuvor konnte man diesen bei vielen Bands als regelrecht unterirdisch bezeichnen – Lob an die Veranstalter, dass sie sich die Kritik zu Herzen genommen haben. Leider nahm die Qualität am Samstag wiederum ab. Warum, wäre eine interessante Frage an die Veranstalter – trotzdem war er besser, als die Jahre zuvor. Für alle Fußballinteressierten eine nützliche Info: Am Samstagnachmittag spielte der 1. FC Lichtenfels gegen den 1. FC Oberhaid. Wer Lust auf Fußball und kühles Flaschenbier hat, der sollte nächstes Jahr mal einen Blick ins Stadion riskieren. Der Einlass ist kostenlos und Stimmung absolut genial, da eine Handvoll Festivalbesucher sich spontan zu glühenden Lichtenfels Fans entwickelten und mit Gesängen wie in der Bundesliga die Roten anfeuerte.

Danke an:
Hannes Fuchs (Fotos) und Jan N. Ernst (Text)

 

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