KNORKATOR

Bandjubiläum, neues Album, neue DVD, Deutschlandtour – dieses Jahr gab und gibt es im Hause Knorkator viel zu feiern. Ganz nebenbei fand Keyboarder und Sänger Alf Ator die Zeit, mit ThePlaceMagazine über Vergangenes und Zukünftiges zu reden:

Hallo und vielen Dank für das Interview! Was macht ihr momentan?

Ein im Mai aufgenommenes Konzert wird bald auf DVD erscheinen. Schnitt und Tonmischung sind gemacht, jetzt wird gemastert und Layoutet. Und die Promotion läuft natürlich an. Am meisten hat unsere Managerin zu tun, dann folgt Stumpen, ich hab recht wenig zu tun, außer dieses Interview zum Beispiel, Buzz Dee hat gar nichts zu tun 🙂

Ihr kennt euch ja schon etliche Jahre, 1994 wird aber als offizielles Gründungsjahr angegeben! Seht ihr das Jahr auch als den Startschuss für Knorkator an?

Definiere Startschuss … Es gibt ja bestimmt in jeder Karriere mehrere wichtige Ereignisse, an die man sich erinnert, als etwas, das Dinge ins Rollen gebracht hat. Das erste Konzert, der erste Manager, die erste Scheibe, der erste Fernsehauftritt, der erste Auftritt bei einem großen Festival, manchmal war es auch erst der zweite Auftritt, der wichtig war und anderes nach sich zog. Wir hatten 1994 unser erstes Konzert in einem Club um die Ecke. Und das war schon eine Art Startschuss. Weil wir an diesem Tag spüren konnten, wie gut wir live funktionieren. Von da an war Stumpen und mir klar, dass das jetzt unsere Zukunft sein wird. Unsere erste EP kam glaub ich 1995, die die hat aber nicht viel bewegt. Die erste richtige Tour als Support von Rio Reiser kam 1996 und legte zumindest den Grundstein dafür, dass wir in den Folgejahren deutschlandweit auftreten konnten, ohne draufzahlen zu müssen. 1997 wurden wir von einem Berliner Lokal-TV-Sender massiv unterstützt, das hat uns dann immerhin zu Lokalpatrioten gemacht. Das erste Album 1998 bedeutete natürlich ebenfalls einen Startschuss, wenn man so will. Quasi der Existenzbeginn im Business 🙂

Wie fühlt sich das an, schon solange in der Musikbranche tätig zu sein?

Nach so vielen Jahren erinnert man sich an unzählige erhebende, tolle Momente, aber auch unzählige Katastrophen und Enttäuschungen. Sehr oft habe ich darüber nachgedacht, alles hinzuschmeißen. Aber dann ereigneten sich wieder Sachen, die Mut machten. Da ich zu den Menschen gehöre, die mit zunehmendem Alter Weisheit erlangen, lasse ich mich mittlerweile von keiner extremen Emotion mehr übermannen. Ich kann sehr objektiv Positives und Negatives ins Verhältnis setzen und komme zu dem Ergebnis, dass sich die lange Zeit unseres Bestehens unterm Strich wirklich gelohnt hat.

Was hat sich eurer Meinung nach all den Jahren in der Branche geändert?

Die Kopierbarkeit von Tonträgern hat natürlich alles auf den Kopf gestellt. Der anfängliche Aufschrei von Künstlern und Industrie, diese neuen, verlockenden Möglichkeiten bitte nicht zu nutzen, war irgendwo verständlich, aus heutiger Sicht aber kleinkariert. Statt dem prophezeihten Ende des Musikerberufes begann einfach eine spannende Zeit voller neuer Geschäftsideen. Es ist wahr, vieles geht nicht mehr so, wie wir es gewohnt waren. Das einsame Genie, das sich schüchtern in seinem Studio verbarrikadiert, um Klangcollagen zu basteln, nach denen sich alle Plattenfirmen die Finger lecken, wird es so wohl kaum noch geben. Man muss wieder auf die Bühne, um Geld zu verdienen. Plattenfirmen sind sehr geizig geworden, wenn es darum geht, Bands zu promoten. Manche trauen sich nur noch an gecastete Eintagsfliegen, deren TV-Präsenz quasi garantiert ist. Ich kann es ihnen nicht mal verübeln. Ich würde auch keine Hunderttausend in den Aufbau einer echten Band investieren, bei denen ich nicht einmal weiß, ob sie sich nach einem Jahr vielleicht streiten und trennen. Doch auf der anderen Seite haben Musiker heute Möglichkeiten, von denen ich früher nicht mal zu Träumen wagte. Damals war der Weg der Musik vom Künstler zum Hörer sehr lang und steinig. Egal, wie sicher du dir warst, dass deine Songs jeden vom Hocker hauen – Du warst davon abhängig, einen Manager zu finden, der das auch so sieht. Der wiederum musste eine Plattenfirma davon überzeugen, dass sie mit dir Geld verdienen können. Und selbst wenn diese Herren dein Potenzial erkannten, waren sie auf Gedeih und Verderb den Launen der Medien unterworfen. Denn wenn das Radio der Meinung war, deine Musik sei gerade nicht in, war es fast unmöglich, die Leute über deine Existenz zu informieren. Wenn du heute einen geilen Song geschrieben hast, kannst du ihn notfalls im Kinderzimmer produzieren, mit deinem Handy ein Video drehen, das ganze bei Youtube veröffentlichen – und theoretisch die ganze Welt erreichen. Sicherlich eignet sich diese Vermarktungsform nicht für subtile Werke, die erst beim dritten Anhören dein wahres Genie offenbaren. Aber ich fühle mich so immer noch wohler, als wenn mir ein fetter bornierter Arsch im Chefsessel sagen setzen will, dass aus mir leider nichts wird.

Welche positiven und negative Erfahrungen habt Ihr in diesen 20 Jahren erlebt?

Die positivste Erfahrung ist sicherlich die Erkenntnis, dass kontinuierliche Qualität sich auszahlt, egal wieviel ansonsten schief läuft. Wir haben wirklich viele Fehler gemacht, ohne die einiges leichter und besser hätte laufen können. Und wenn wir uns 2003 für immer aufgelöst hätten, würde sich bestimmt kaum noch jemand an uns erinnern. Wir hatten bisher weder eine Goldene Schallplatte, noch einen Top-Ten-Hit. Aber mit jedem weiteren Album und jedem weiteren Konzert konnten wir neues Publikum für uns gewinnen. Und durch jedes neue Album wurden auch die alten Songs promotet. Und wenn man es über die Jahre weitgehend vermeidet, die Leute zu enttäuschen, werden es einfach immer mehr. Und nach 20 Jahren kann man dann schon davon leben.

Negative Erfahrungen gab es natürlich auch viele. Ich will jetzt aber nicht anfangen rumzujammern. Deswegen hier nur eine ernüchternde Erfahrung, die aber nützlich sein kann, wenn man es weiß: Bei der Wahl eines Managers gibt es leider überhaupt keine Richtlinien, die dich vor einem Griff ins Klo bewahren können. Wer die eine Band in den Olymp katapultiert hat, kann bei der nächsten Band kläglich versagen. Wir haben so viele Manager durch, dass ich sie nicht mehr zählen kann. Und es waren richtig gute dabei. Aber erst seit 2008 (kurz vor unserer Pause) haben wir eine Managerin, mit der es funktioniert. Und diese Person hat mit uns als völliger Laie angefangen.

Gibt es Situationen die Ihr gerne anders gemacht hättet?

Ich glaube, wir hätten bei unserem ersten großen Majordeal den Vorschuss für die Produktion in einem richtigen Studio verwenden sollen, anstatt es im Wohnzimmer eines Freundes zu machen und das Geld zu verprassen.

Was das Songwriting anbelangt, wie geht Ihr da vor und wie läuft euer Denkprozess beim Schreiben ab?

Unsere wichigste Regel beim Songwriting ist: Ich schreibe die Songs! Wie ich das mache, ändert sich aber immer. Meist lege ich 2 virtuelle Schubladen an. In der einen sammle ich musikalische Ideen: Melodien, Riffs, polyphone Sätze. In der anderen notiere ich mir Themen, über die ich gerne schreiben würde. Wenn mir zu einem dieser Themen ein Slogan einfällt, der sich als Refrain eignet, prüfe ich, ob der auf eine der bisher gesammelten musikalischen Themen passt. Wenn ja, suche ich nach einem Motiv, was sich als Strophe dazu eignet. Darauf wird dann gedichtet. Es kann aber auch ganz anders laufen. Ich habe zwar mittlerweile gewisse Erfahrungen, welche Vorgehensweise eher zu einem guten Ergebnis führt, behalte mir aber das Recht vor, dies hin und wieder zu ignorieren.

Gibt es irgendwelche Bräuche die Ihr habt wenn Ihr Songs schreibt oder zum Beispiel vor den Konzerten?

Keine Bräuche, kein Ritual. Wir kommen aus dem Backstage und gehen irgendwie auf die Bühne. Je nach Anfangssong nacheinander oder alle zusammen. Stumpen will immer Händchen halten, während wir die Bühne betreten. Aber ich befürchte, nicht cool genug dabei rüber zu kommen.

Wie fühlt es sich an an, wenn die Songs fertig sind und ihr könnt sie endlich euren Fans präsentieren?

Ein fertiges Album ist natürlich eine ganz tolle Sache. Aber man darf nicht vergessen, dass dem viele Monate harter Arbeit vorausgingen, in denen man die Songs so oft gehört hat, dass man inzwischen einen völlig verschobenen Fokus hat. Die vielen kleinen Feinheiten, die nicht ganz so geworden sind, wie es dem einen oder anderen anfangs vorschwebte, sind so präsent, dass man oft unfähig ist, den Song einfach nur in seiner finalen Form zu genießen.

Bei früheren Konzerten habt Ihr mal ein Klavier zerstört! Was für ein Grund gibt es das Ihr das jetzt nicht mehr macht ? (Fanfrage)

Wir haben vieles zerstört. Fernseher, Schränke, Orgeln etc. Richtige Klaviere waren seltener dabei, weil sie zu schwer sind. Bei den letzten beiden Touren haben wir weniger zerstört. Aber wer weiß, vielleicht kriegen wir bei der nächsten Tour wieder Lust … ?

Was für eine Bedeutung hat eigentlich, der Anzug den Stumpen via Gero Ivers, immer trägt?

Die verschiedenen Anzüge, die Stumpen während der ersten 5 Minuten eines Konzertes trägt haben einen einzigen Zweck: Vom Leib gerissen zu werden. Dass sie immer so scheiße aussehen, liegt daran, dass Stumpen sie selber kauft.

Am 17.Januar 2014 kam euer aktuelles Album „We Want Mohr“ heraus? Wie sieht die Zukunft von Knorkator aus? Sind weitere Alben in Planung?

Im Moment fehlt es noch an Songs, aber es soll auf jeden Fall weitergehen.

Wie sieht der Tourplan für 2014/2015 aus?

Unsere Tour ist eigentlich vorbei. Momentan stehen bis Ende des Jahres noch vier Konzerte an. Im nächsten Jahr werden wir erstmalig bei der Full Metal Cruise mitmachen. Vielleicht kommt noch was dazu. Aber die nächste richtige Tour geschieht erst mit dem nächsten Album. Keine Ahnung wann …

www.knorkator.de                                                                                                                                                                                                                                                                                         Autor: Johanna Edler

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