Angerfest III // 12.11.2016 // K19, Kassel

Bereits zum dritten Mal luden die Musiker rund um Furious Anger in Kooperation mit der Moshpit Crew Cassel zum Angerfest in Kassel ein. Mit sieben Bands aus nahezu allen Teilen der Bundesrepublik war das Billing mit hochkarätigen Newcomern der Deutschen Metalszene bestückt.Aber fangen wir mal von vorne an. Pünktlich zum angekündigten Konzertbeginn legten die Spangenberger Todesmetaller von Tantrum los. Mit einer regelrechten Explosion startete die Formation und prügelte ein Brett ab, dass diverse Kinnladen herunter klappten. Der Schock saß wirklich tief, da man nicht mit einem solch brutalen und aggressiven Opener gerechnet hatte. Trotz dieser enormen Ladung an Hass und Zerstörungswut gleich am Anfang des Billings, fand sich ein harter Kern von nicht wenigen Personen vor der Bühne ein, um die Musiker aus dem Schwalm-Eder-Kreis zu feiern. Was ein Auftakt.

Als Vile die Stage betraten, füllte sich die Zahl der Menschen im Publikum dann deutlich auf. Das mag mit daran liegen, dass die Truppe, bestehend aus Musikern aus Hannoversch Münden und Kassel, unfassbar polarisiert. Sie sind was die Newcomer-Szene angeht das wohl heißeste Eisen, was gerade in der nordhessischen und südniedersächsischen Metal-Schmiede zu finden ist. Traditionelle Elemente aus der alten Schule des Todesmetalles, in Kombination mit melodischen Einschlägen der schwedischen Schule und einer guten Ladung Authentizität, kam wirklich äußert gut beim Publikum an. Aus der Studentenstadt Göttingen folgte mit Collapse Instinct ein echter Geheimtipp.

Obwohl der gute alte Death Metal federführend bei den Niedersachsen ist, ist diese einfache Beschreibung für die Musik absolut unzureichend. Die Musik der fünf Männer greift einige Sub-Genre des Todesmetalls auf. Beispielsweise ist ihre aktuelle EP „Wreck“ stark mit Doom Passagen bestückt, sodass die gesamte Scheibe unfassbar vielfältig rüber kommt. Und genau diese Vielfalt wurde von den Fans ordentlich abgefeiert. Ein echter Genuss für Fans von beispielsweise Asphyx – einfach nur geil!

Mit Evoked wurde es nochmal eine ganze spur aggressiver. Das Trio aus dem Westen des Landes ist per Definition das, was man im Duden unter „Old-School Death Metal“ nachschlagen könnte. Obwohl die Männer rund um Frontschwein Simon „Bonesaw“ eindeutig zu kategorisieren sind, sind alles andere als monoton, langweilig oder vorhersehbar. Das absolute Gegenteil ist der Fall. Es war dreckig, brutal bis zum Anschlag, mitreißend und ein wahrer Abriss. Genau das gefiel dem Publikum – Evoked wurde nicht gefeiert, sie wurden zelebriert. Nun kam eine etablierte Hamburger Band auf die Bühne.

Die perfekt eingespielte Kapelle Buried In Black demonstrierte anschaulich, was langjährige Bühnenerfahrung ausmacht. Das Wort Souveränität definiert ganz anschaulich, was den Besuchern des dritten Angerfest gezeigt wurde. Das Quintett aus der Hansestadt Hamburg präsentierte sich in bester Spiellaune und zelebrierte es regelrechtes Todesfest. Das mag auch damit zu tun haben, dass sie mit „DICIO“ eine Platte der Marke must-have auf den Markt geworfen haben. Frontkeifer Ron tobte über die Bühne und animierte das Publikum zum moshen, bangen und Bier vernichten. Die Show der Hamburger lies das Herz eines jeden Death Metal Anhängers eindeutig höher schlagen – wirklich eine großartige Darbietung. Nun war es Zeit für die Namensgeber des Angerfests.

Nach einem Jahr Bühnenabstinenz betraten die Lokalmatadoren Furious Anger die Bühne und wurden von einem randvollen K19 begrüßt. Und was war das für ein Hallo. Nach so einer langen Zeit wieder auf der Bühne zu stehen weckte natürlich hohe Erwartungen und nicht eine blieb unerfüllt. Obwohl sie mit ihrer Wikingerthematik am heutigen Abend etwas heraus stachen, konnte jede den Fortschritt der Musiker erkennen. Pure Energie und Spielfreude in Verbindung mit einem abgestimmten Bühnenbild machte vor allem eins deutlich: WIR sind wieder da und sind entschlossener, als je zuvor. Besonders die neuen Stücke „Amarok“ und „Asgard wartet“ worden mit Begeisterung gefiert. Das war definitiv eine Rückmeldung nach Maß.

Nach dem gefeierten Heimspiel wurde abermals eine Schippe an power draufgelegt. Wenn es eine Band gibt die in den einschlägigen Medien der Metalszene durchweg positiv hervor gehoben wird, dann ist das keine geringere Band als Endseeker. Die Hanseaten rund um Schlachter Meister Lenny „Grinder“ Osterhus am Mikro demonstrierten eindrucksvoll, dass ihr Ruf als Newcomer der Stunde mehr als nur gerechtfertigt ist. Die Bündelung an destruktiver Energie und Zerstörungswut sprang eins zu eins auf die zahllosen Fans vor der Bühne über. Alles, was lange Kopfbehaarung hatte wusste diese rhythmisch in einer zirkulierenden Form zu bewegen und das K19 wurde spontan zu einem riesigen Moshpit umfunktioniert. Nach einer knappen Stunde beendeten die Musiker ihr Set und das dritte Angerfest neigte sich gen Ende – was eine großartige Party.

Notiz am Rande

Was sich deutlich verbessert hat im Vergleich zu den vorher gegangenen Angerfests, ist die komplette Organisation gewesen. Sowohl das Einhalten der Line Up Zeiten, als auch das gesamte drum herum der Veranstaltung wirkte akribischer geplant und strukturiert. Besonderer Dankt geht an dieser Stelle an die zahlreichen freiwilligen (!!!) Helfern und Helferinnen, die einen großen Anteil an dem reibungslosen Ablauf des Events trugen. Auch die Kooperation zwischen der Moshpit Crew Cassel und der Band Furious Anger wirkte wesentlich abgeklärter. Alles in allem war es eine riesige Party, bei der vor allem das Miteinander im Vordergrundstand.

Text: Jan Furious Anger

Fotografie: Johanna Edler

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